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Sein reges Interesse für Musik und Theater veranlassten Friedrich Helmut Carl Anton von Blücher häufig, wenn besondere Aufführungen vor allem die damals neuen Wagnerschen Opern, in Berlin gegeben wurden, zu kleinen Ausflügen dahin. Er nahm dann wohl den einen oder anderen seiner Kinder mit. Einmal wohnte die Familie in dem Hotel de Rome unter den Linden und besuchten am Sonntag den Gottesdienst im alten Dom. Die ganze königliche Familie war in ihrer Loge versammelt und als dieselbe die Kirche verließ, bildete das Publikum zur ehrfurchtsvollen Begrüßung der Herrschaften Spalier. Wagen auf Wagen rollte vorbei und entblößten Hauptes standen die Leute auf der Straße. Plötzlich eine Bewegung, die Hüte wurden ostentatiös auf den Kopf gestülpt, die Köpfe abgewandt und vorbei fuhr ein zweispänniges Brougham, in dessen Fonds ein schlanker großer Herr mit schwarzem Schnurrbart saß und ohne von dem Vorgang Notiz zu nehmen, mit einer Miene geradeaus sah, als wolle er sagen: "Ihr könnt mir alle den Puckel herunter rutschen". Friedrich Helmut Carl Anton von Blücher machte zur größten Empörung der Umstehenden Front und grüßte ehrerbietig, seine Kinder taten natürlich dasselbe. Darauf sagte Friedrich Helmut Carl Anton von Blücher: "Den merkt Euch, das war Bismark". Aber nicht nur politisch, auch wirtschaftlich war Friedrich Helmut Carl Anton von Blücher vielfach seiner Zeit voraus. Schon in den 1850er Jahren machte er große Flächen seiner Moorwiesen durch Dränage und Übersandung ertragreicher. Die Dränage geschah mittels dachförmig in den engen Dränsgruben aufgestellter Torfsoden. Als in den 1890er Jahren auf Rimpausche Anregung der Moorkultur wieder größeres Interesse entgegengebracht wurde und auch einer seiner Söhne, Carl in Quitzenow, solche ausführte, fand er diese Gräben wieder und sie liefen noch. Zur Zeit der Ausbeutung der ersten Guanolager durch Hamburger Firmen ließ Friedrich Helmut Carl Anton von Blücher Kahnladungen des Rohguano über Stettin und das Haff die Trebel herunterkommen, legte eine Guanomühle an, kaufte in größeren Ballons Schwefelsäure und verwandte das damit aufgeschlossene Produkt zur Düngung. Angler Kühe, damals bei wenigen Ansprüchen für die milchreichsten geltend und feinwollige Negrettischafen bildeten die Herden. Als die erste Dampfdreschmaschine mit Lokomobilar aus England auf einer landwirtschaftlichen Ausstellung in Mecklenburg erschien, kaufte er dieselbe, der englische Maschinist musste mit nach Quitzenow kommen, um einen der dortigen Leute anzulernen; als Dolmetscher zwischen Englisch und Plattdeutsch dienten die Damen des Hauses. Die letzten zehn Jahre seines Lebens konnte Friedrich Helmut Carl Anton von Blücher sich wieder mehr seinen Liebhabereien, der Wissenschaft und Kunst widmen. Reisen, teilweise mit seinen Kindern und monatelange Übersiedlungen nach Berlin wurden unter-nommen, um Kunst zu genießen, die Museen zu besuchen, Universitäts- und sonstige Vorträge zu hören. Sammlungen von Gypsabgüssen, Kupferstichen und Ölgemälden bildeten die Ausbeute, füllten die Wohnräume in Quitzenow und machten sie zu einem kleinen Museum. Sein Interesse für alte und neue Literatur, Kunst, Geschichte und Naturwissenschaft fand in der Anlage einer reichen Bibliothek von ca. 4.700 Büchern seine Befriedigung und die schönsten Stunden für ihn waren es, dort nachmittags still zurückgezogen zu studieren. Von mittlerer Statur und zäher Natur war Friedrich Helmut Carl Anton von Blücher, wie schon erwähnt, ein ausgezeichneter und passionierter Reiter, so dass er in seinen besten Jahren meist zwei Reitpferde hielt und dieselben müde ritt, ein Frühaufsteher, alkoholischen Genüssen und dem Rauchen abgeneigt; aber von Jugend an litt er an Herzklopfen, das in späteren Jahren immer häufiger und stärker auftrat und oft musste er ganze Nächte im Stuhl, anstatt im Bett zubringen. Die Leiden gingen später in Herzkrämpfe über. Am 31. August
1879 auf einer Rückfahrt von Bobbin, trat ein neuer sehr heftiger
Anfall ein, dem er nachmittags 3 Uhr durch einen Lungenschlag erlag. Seine
Beisetzung erfolgte in der Kapelle zu Bobbin. Ein reichgesegnetes Leben
fand damit seinen Abschluss. |